| von Ellen Schriek und Hans-Walter Schmuhl.
Die Sierra Tarahumara im Nordwesten Mexikos ist ein "hotspot"
- im doppelten Wortsinn: Zum einen bildet sie das Ökosystem mit der
größten Biodiversität in Nordamerika, zum anderen hat
sie sich in den letzten Jahrzehnten zu einem der größten Drogenanbaugebiete
und Drogenumschlagplätze der Welt entwickelt. Die Staatsgewalt hat
sich weitgehend aus den Bergen zurückgezogen, die Narcotraficantes
haben die Macht übernommen. Unter ihrem Schutz schreitet der forstindustrielle
Kahlschlag der letzten Urwälder beschleunigt voran. Zahlreiche Pflanzen-
und Tierarten sind vom Aussterben bedroht. Die indigenen Völker der
Sierra Tarahumara, die sich gegen die Zerstörung ihres Lebensraums
wehren, werden durch brutalen Terror eingeschüchtert oder vertrieben.
...
exiko gehört
zu den zwölf sogenannten Megadiversitäts-Ländern, die zusammengenommen
den natürlichen Lebensraum für über 70 Prozent der bekannten
Tier- und Pflanzenarten stellen. Das Land umfasst eine Vielzahl von Klimazonen
und Bodenformationen und erfüllt eine Brückenfunktion zwischen
zwei biogeographischen Großräumen, der tropischen und der gemäßigten
Region. Die Folge ist ein breites Spektrum von Ökosystemen mit besonderem
Artenreichtum. Mexiko ist die Heimat von fast 2500 Wirbeltierarten, von
denen ein großer Teil endemisch ist, also nur hier vorkommt. Zudem
ist Mexiko das Winterquartier für eine Vielzahl von Zugvögeln
und zahlreiche andere wandernde Tierarten. Auch die Pflanzenwelt Mexikos
weist einen gewaltigen Artenreichtum auf. Man schätzt, dass zu den
bisher bekannten 22.000 Arten weitere 30.000 wissenschaftlich noch nicht
erfasste Spezies kommen (Wolters 1995).
Innerhalb
Mexikos bildet die Sierra Tarahumara im Bundesstaat Chihuahua einen "hot
spot", eine Landschaft mit besonders großem Artenreichtum.
Tatsächlich ist sie die Region mit der größten Biodiversität
in Nordamerika. Sie zeichnet sich vor allem durch eine enorme Pflanzenvielfalt
aus, von Wüstenkakteen bis zu Hochgebirgskoniferen. In den tiefen
Schluchten oder Barrancas gedeiht eine subtropische Vegetation, in den
Höhenlagen wachsen Nadel- und Mischwälder der borealen Zone.
Insgesamt gibt es hier über 3.500 Arten von Blütenpflanzen und
zwar sowohl tropische und subtropische Arten als auch solche der gemäßigten
Klimazonen. Unter den endemischen Arten befinden sich mindestens 60 Wildformen
von Kulturpflanzen (Forest Guardians 1995). In den Urwäldern der
Sierra Tarahumara sind etwa 200 Arten von Eichen und mehr Kiefernarten
als irgendwo sonst auf der Welt heimisch (Hitt 1994). Die World Conservation
Union (IUCN) hat die Region deshalb als Weltzentrum für Pflanzendiversität
nominiert.
Auch die Tierwelt der Sierra Tarahumara ist außergewöhnlich
vielfältig. Bei den Säugetieren fallen vor allem die Raubtiere
- Jaguar, Ozelot, Wieselkatze (Herpailurus yagouaroundi), Schwarzbär
und Mexikanischer Wolf (Canis lupus baileyi) - ins Auge, die ständig
in der Sierra leben oder sie als Wanderungskorridor benutzen. Unter den
seltenen Vögeln sind vor allem mehrere Arten von Trogons, Zum Beispiel
der Kupferschwanztrogon (Trogon elegans) und der Ohrentrogon (Euptilotis
neoxenus), mehrere Papageienarten wie der Arasittich (Rhynchopsitta pachyrhyncha)
und der Soldatenara (Ara militaris), der Kaiserspecht (Campeppphilus imperialis),
der Mexikanische Fleckenkauz (Strix occidentalis lucida), und der Apachehabicht
(Accipiter gentilis apache) zu nennen, bei den Reptilien Leguane und tropische
Schlangen (Forest Guardians 1995).
Nur noch zwei Prozent Wald
Der
Artenreichtum der Sierra Tarahumara ist wie der Bestand des gesamten Ökosystems
aufgrund des Raubbaus an den Wäldern akut bedroht. Die größten
noch erhaltenen Urwälder liegen in einer der gewaltigsten Schluchten,
der Barranca Sinforosa im äußersten Südwesten des Staates
Chihuahua. Nach hundert Jahren Holzeinschlag sind nur noch etwa 120.000
Hektar oder zwei Prozent dieses einzigartigen Waldbestandes übrig.
Geht der Kahlschlag in demselben Tempo weiter, so werden die letzten Reste
nach Schätzung von Forest Guardians (1995) innerhalb der nächsten
sieben Jahre vernichtet sein. Einige Baumarten sind bereits fast ausgerottet;
so ist der Bestand der Chihuahua-Kiefer (Pinus leiophylla chihuahuana),
einer einst weit verbreiteten Baumart, auf etwa 4.000 Bäume zusammengeschmolzen.
Mit den Pflanzen verschwinden die Tiere. Von den Säugetieren der
Sierra Tarahumara ist der Mexikanische Grizzlybär (Ursus horribilis
nelsoni) bereits ausgestorben. Jaguar, Ozelot, Schwarzbär und Mexikanischer
Wolf sind vom Aussterben bedroht. Von den Vögeln ist der Kaiserspecht
vielleicht schon ausgestorben, der Mexikanische Fleckenkauz, der Apachehabicht
und der Arasittich sind gefährdet (Hitt 1994).
n der Sierra
Tarahumara leben neben 250.000 bis 300.000 Mestizen etwa 100.000 Angehörige
indigener Völker - Tarahumara, Tepehuanes, Pimas Bajos Serranos und
Guarijíos. Mit 70.000 bis 80.000 Menschen bilden die Tarahumara
die größte indigene Ethnie (Kummels 1988, Hillerkuss 1991).
Obwohl es ihnen über vier Jahrhunderte hinweg gelungen ist, ihre
Kultur im Kern zu bewahren, ist ihre wirtschaftliche, soziale und kulturelle
Existenz heute akut bedroht. Die offene Landrechtsfrage, der Raubbau an
den Wäldern und der Terror der Drogenmafia drohen zu einem Ökozid
auszuwachsen.
Große Teile des Siedlungsgebietes der Tarahumara wurden im Zuge
der Mexikanischen Revolution zum "Nationalbesitz" erklärt
und - als Ejidos Forestales - von der Regierung den Anrainern zur Nutzung
überlassen. Die Ejidatarios sind im Besitz eines unveräußerlichen
Landtitels und betreiben gemeinsam ein Unternehmen, z.B. ein Sägewerk,
in dem das in den Wäldern des Ejido geschlagene Holz verarbeitet
werden soll. In den Ejido-Verwaltungen dominieren häufig mestizische
Kaziken. Die Interessen der Tarahumara bleiben selbst da, wo sie die große
Mehrheit der Ejidatarios stellen, weitgehend unberücksichtigt. Sie
profitieren kaum von der Holzwirtschaft - die Gewinne fließen, sofern
sie überhaupt der ortsansässigen Bevölkerung zugute kommen,
in die Taschen der Mestizen, und auch die Arbeitsplätze in der Holzwirtschaft
bleiben den Tarahumara zumeist verschlossen (Kummels 1988).
Auf der
anderen Seite treffen die ökologischen Folgen die Indigenen mit voller
Härte. Hunderte von Pflanzenarten, die als Heil- und Nutzpflanzen
in der Kultur der Tarahumara eine Rolle spielen, sind vom Aussterben bedroht.
Noch schwerer wiegt, dass die Bodenerosion verheerende Ausmaße angenommen
hat. Große Teile des landwirtschaftlich nutzbaren Bodens sind schon
verlorengegangen. Hinzu kommt eine anhaltende Dürre, die ebenfalls
durch die Vernichtung der Wälder mit bedingt ist, so dass die landwirtschaftlichen
Erträge drastisch zurückgegangen sind. 1994 hat es in der Sierra
bereits die ersten Hungertoten gegeben. Ein weiteres ökologisches
Problem stellt die Wasserverschmutzung dar. Die Abwässer der Papiermühlen
werden ungeklärt in die Flüsse und Seen der Sierra Tarahumara
geleitet. Dies löst bei den Menschen, die auf dieses Wasser angewiesen
sind, Krankheiten aus und hat eine Erhöhung der Kindersterblichkeit
zur Folge.
Die Bildung einer nordamerikanischen Freihandelszone durch das North American
Free Trade Agreement (NAFTA) im Jahre 1993 hat zu einem Investitionsboom
der US-amerikanischen und kanadischen Holzindustrie im Norden Mexikos
geführt. Entgegen allen Absichtserklärungen und Einzelbestimmungen
der NAFTA zum Schutz der Umwelt und trotz der in den letzten Jahren verstärkten
Anstrengungen Mexikos in diesem Bereich führt die neue Freihandelszone
zu einer deutlichen Zunahme an Umweltschäden. Außerdem zerstört
sie die einheimische Holzindustrie. Der Konkurrenz der neuen Holzfabriken
sind die veralteten Sägemühlen der Ejidos nicht gewachsen. Zunehmend
schließen die Ejidos daher Konzessionsverträge mit Privatunternehmen
ab oder verkaufen ihr Holz unter Preis an die von multinationalen Firmen
betriebenen Papiermühlen. Zudem wächst die Versuchung, Ejido-eigene
Waldflächen an die Holzkonzerne zu verkaufen. Denn mit der Verfassungsänderung
von 1992 hat die Regierung die legale Möglichkeit zur Privatisierung
von Ejido-Land geschaffen, um den ländlichen Raum für in- und
ausländisches Kapital zu öffnen. Schon haben kanadische Firmen
ihr Interesse an Ejido-eigenen Waldflächen in der Sierra Tarahumara
signalisiert. Damit droht ein Ausverkauf der indigenen Territorien (Hitt
1994).
Mancherorts führen forstwirtschaftliche Unternehmen - im Verein
mit korrupten Kaziken und Ejido-Verwaltungen - sogar illegal Rodungen
in großem Stil durch. Dabei mischen die mexikanischen Drogenkartelle
kräftig mit. Die Sierra Tarahumara ist mittlerweile eines der größten
Drogenanbaugebiete der Welt und Durchgangsstation für Kokain südamerikanischer
Herkunft.
Auseinandersetzungen mit der Drogenmafia
An der Nordgrenze sind die Narcotraficantes eine Macht. Hier verfügen
sie über ausgedehnte Ländereien, die ihnen als Basis für
den Drogenschmuggel dienen, und kontrollieren weite Landstriche. Deshalb
wird das tägliche Leben der Tarahumara selbst in entlegenen Gemeinden
von Auseinandersetzungen mit der Drogenmafia überschattet. Pro Woche
werden allein im Bezirk Baborigame drei bis vier Indigene von den Killerkommandos
der Drogenmafia ermordet. Viele Indigene werden durch massive Drohungen
gezwungen, ihr Land zu verlassen oder für den Drogenanbau zur Verfügung
zu stellen. In den entlegenen Gebieten wird auf den gerodeten Flächen
Cannabis und Schlafmohn in großen Mengen angebaut.
Der Erhalt der Wälder ist eine notwendige Voraussetzung für
das Überleben der indigenen Völker der Sierra Tarahumara. Die
Folgen der Entwaldung - Erosion, Dürre, Verschlechterung der Böden,
Verlust von bebaubarem Land, Aussterben von Wildpflanzen und -tieren -
gefährden die wirtschaftlichen und kulturellen Grundlagen der indigenen
Gemeinden. Wie auch anderswo, so ist die traditionelle Kultur der indigenen
Völker in der Sierra Tarahumara an deren einzigartiges Ökosystem
angepasst, nutzt und schützt seine Artenvielfalt. Die Tarahumara
gebrauchen von alters her über 350 Pflanzenarten - Gräser, Feigenkakteen,
Agaven, Beeren, Pilze, Knollenfrüchte, Wildgemüse, Piniennüsse
usw. - als Nahrungsmittel, als Naturfaser, zur Herstellung von Heilmitteln,
Fischgiften sowie eines Rauschmittels für religiöse Zeremonien.
Viele der wild wachsenden Pflanzen haben sie domestiziert, wobei sie -
wie viele andere indigene Völker - eine Vielzahl von Varietäten
züchten. Die Tarahumara kennen mindestens zwölf Varietäten
des Mais und 25 Sorten Bohnen. Auch der Fischfang und die Jagd auf Kleintiere
spielten in der traditionellen Ernährung eine wichtige Rolle (Pennington
1963, Forest Guardians 1995). Die Bedeutung der Wildpflanzen und -tiere
für den Speiseplan der Tarahumara ist jedoch in den letzten Jahrzehnten
merklich zurückgegangen. Wildpflanzen machen vielleicht noch fünf,
Wildtiere noch drei Prozent der Nahrung aus (Deimel 1979), wodurch die
Ernährung einseitiger und wohl auch ärmer an Proteinen geworden
ist. Auch gehen Kenntnisse und Fertigkeiten des Sammelns, Jagens und Fischens
allmählich verloren. Die Gründe dafür liegen einerseits
darin, dass Wildpflanzen und -tiere infolge der Überweidung, der
Überjagung und der zunehmenden Zahl der Haustiere seltener geworden
sind. Andererseits wirkt sich aus, dass die durch Sammeln, Jagen und Fischen
gewonnenen Speisen von den Mestizen und besonders in den Schulen diffamiert
werden, so dass sich mehr und mehr Tarahumara schämen, solches Essen
zu sich zu nehmen und stattdessen in den Läden "mestizische"
Lebensmittel kaufen.
An
die Stelle des Sammelns und Jagens sind zunehmend Ackerbau und Ziegenzucht
getreten. So tragen die Indigenen selber dazu bei, ihre natürliche
Umwelt zu zerstören. In diesem Zusammenhang ist vor allem der Bohnenanbau
im Brandrodungsverfahren zu nennen. Da die Bohnenfelder nach ein bis zwei
Erntezeiten aufgegeben werden müssen, wird immer mehr Wald gerodet.
Ergebnis: Die Farmer entfernen sich immer weiter von den Siedlungen, um
neue Felder anzulegen. In der näheren Umgebung vieler Gemeinden ist
das Land wüst und erodiert. Uferregionen in der Nähe von Gemeinden
haben oft die gesamte Vegetation verloren (Forest Guardians 1995).
Um den Wald wirksam zu schützen und damit die Lebensgrundlagen der
indigenen Gemeinden zu wahren, müssen also nicht nur die industrielle
Forstwirtschaft und der Drogenanbau gestoppt, sondern es müssen auch
die landwirtschaftlichen Methoden der indigenen Gemeinden geändert
werden. ...
ie neue mexikanische
Verfassung birgt in bezug auf die Landrechte der indigenen Völker
nicht nur Gefahren, sie eröffnet auch neue Chancen. So ermöglicht
sie den indigenen Gemeinden, multifunktionale Naturschutzzonen einzurichten
- und zwar unabhängig von den Ejido-Verwaltungen. 15 indigene Gemeinden
haben mittlerweile vorgeschlagen, über 100.000 Hektar Land, darunter
einige der größten älteren Waldbestände, unter ihren
Schutz zu stellen. Die Auswahl erfolgt nach ökologischen Kriterien
(Wald- und Wasserschutzgebiete), kultureller Bedeutung (Heilige Stätten)
und politischer Durchführbarkeit. 16.800 Hektar Primärwälder
im Ejido Pino Gordo sind nach Verhandlungen mit der Procuraduria Agraria
und der Secretaria de Desarollo Social (SEDESOL) im Juni 1995 von der
Regierung offiziell als Area de Exclusión Comunitaria para Conservacón
anerkannt worden. Weitere von den indigenen Gemeinden deklarierte Zonen
sollen folgen. So hat sich die Gemeinde Coloradas de la Virgen dafür
entschieden, eines der ursprünglichsten Täler in der Sierra,
Schlafplatz für die bedrohten Arasittiche, zur Schutzzone zu machen.
Es ist geplant, die Schutzzonen durch Korridore zu verbinden, um z.B.
die Wanderungen von Säugetieren und Vögeln zu erleichtern. Auf
diese Weise soll langfristig ein größeres Biosphärenreservat
entstehen. Gleichzeitig mit der Anerkennung durch den mexikanischen Staat
sollen die Schutzzonen in der Sierra Tarahumara auch in die von der UNESCO
geführte Liste der Biosphärenreservate aufgenommen werden.
er Arasittich
oder Guacamaya, wie er von den Indigenen der Sierra Tarahumara genannt
wird, bevölkerte früher die Eichen- und Kiefernwälder vom
nördlichen Michoacan bis zum südöstlichen Arizona. Sein
Verbreitungsgebiet schrumpft jedoch immer wieder zusammen, die Bestände
der Arasittiche gehen, obwohl noch immer recht groß, seit zwei Jahrzehnten
dramatisch zurück, so dass der Vogel in die Liste der bedrohten Arten
aufgenommen worden ist. Ursache dafür ist auch die Jagd. Wilderer
fangen Arasittiche in Fallen, um sie auf dem illegalen Haustiermarkt in
Nordarmerika zu verkaufen. Arasittiche brauchen alte Kiefernwälder,
da sie in Baumhöhlen brüten und sich von Kiefernzapfen ernähren.
Sie sind ein wichtiger Indikator für die Gesundheit des Waldes -
kein Wunder also, dass sie mit zunehmender Entwaldung verschwinden. Isolierte
Waldgebiete im südwestlichen Chihuahua, Sonora, Sinaloa und Durango
sind heute die letzten Rückzugsgebiete des Arasittichs in Mexiko.
In Chihuahua findet sich die größte Population in den Kiefernwäldern
am Südrand der Barranca Sinforosa und ihren Seitencanyons. Mehrere
Schwärme Arasittiche leben innerhalb der von den indigenen Gemeinden
eingerichteten Schutzzonen im Distrikt Guadalupe y Calvo.
Forest Guardians und CASMAC führen derzeit ein auf drei Jahre angelegtes
interdisziplinäres Forschungsprogramm durch, um Population und Habitat
des Arasittichs in der Region Baborigame zu studieren. Das Forschungsteam
umfasst Biologen uns U.S. Fish and Wildlife, von mexikanischen und U.S.-amerikanischen
Universitäten, SEDESOL sowie Anthropologen. Indigene Promotoren sammeln
Informationen über Schlaf- und Nistplätze und führen die
Wissenschaftler in vielversprechende Forschungsgebiete. Am Ende der Forschungen
soll ein Schutzprogramm für den Arasittich erarbeitet werden, an
dem auch die indigenen Gemeinden aktiv beteiligt werden sollen. ...
Ein ähnliches Forschungsprojekt ist mittlerweile angelaufen, das
mit Hilfe indigener Promotoren nachprüfen soll, ob der Kaiserspecht,
der seit über dreißig Jahren nicht mehr gesichtet worden ist,
in entlegenen Rückzugsgebieten überlebt hat. Native Seeds/SEARCH
koordiniert die Anstrengungen, durch Satelliten- und Flugzeugaufnahmen
und Feldforschung ein Inventar der alten Waldbestände in der Sierra
zu erstellen.
m Dezember 1993
besuchten Tarahumara- und Tepehuan-Führer das "Rural Development
Training Center" in Mora, New Mexiko. Dort wurden sie mit einer Trainingsphilosophie
vertraut gemacht, die biodynamische Techniken und traditionelles Wissen
miteinander verbindet. Landwirtschaftliches Training, das an traditionelle
Formen des Feldbaus anknüpft, hat oberste Priorität im Entwicklungsprogramm
der meisten Gemeinden in der Sierra und ist eine unentbehrliche Komponente
des Umweltschutzes. ...
Mit dem Sierra Madre Program versucht CASMAC in Zusammenarbeit mit den
indigenen Gemeinden, den komplexen Problemen in der Sierra - Entwaldung,
Dürre, nährstoffarme Böden, Erosion, Überweidung.
Landraub - entgegenzuwirken und den Wald, das grüne Gold der Sierra
Tarahumara, zu retten.
Literatur:
DAIMEL, K. (1979): Die Missionierung der Tarahumara. "Plan de Gran
Vision", Diss. Frankfurt.
FOREST GUARDIANS (1995): Sierra Madre Program. Information Packet. Tucson,
Arizona.
GINGRICH, R. W. (1994): Statement before the U.S. House of Representatives,
Subcommittee on foreign Operations, Export Financing an Related Programs.
HILLERKUSS, T. (1^991): Reorganisation und soziopolitische Dynamik der
Tarahumares seit 1603/04. Holos Verlag, Bonn.
HITT, S. H. (1994): War in the Sierra Madres. Mexico's Tarahumara defend
their forest against loggers. In: Wild Forest Review, Mai 1994, S. 22-25.
KUMMELS, I. (1988) Schulerziehung für oder gegen indianische Ethnien?
Die Raramuri von Kaborachi und die Erziehungspolitik der mexikanischen
Regierung. Diss. München.
PENNINGTON, C. W. (1963): The Tarahumar of Mexico. Their environment and
material culture. University of Utah press. Salt Lake City.
SHOUMATOFF, A. (1996): Edwin Bustillos. Allein gegen Mexikos Mafia. In:
GEO 3/96.
WOLTERS, J. (1995): Die Arche wird geplündert - Vom drohenden Ende
der biologischen Vielfalt und den zweifelhaften Rettungsversuchen. In:
DERS., ARA (Hg.): Leben und Leben lassen. Biodiversität - Ökonomie,
Natur- und Kulturschutz im Widerstreit. Focus-Verlag, (Ökozid 10),
S. 11-39.
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